Denken Sie an etwas, dass sie mit Weihnachten verbinden. Auf diese Aufforderung reagieren viele Menschen verschieden, die Antworten bleiben im Endeffekt aber immer die gleichen. Kekse, Zimtduft, Geschenke, Weihnachtslieder, Winter.
So gesehen könnte es gut möglich sein, dass die Engländer rund um den Italiener Fabio Capello glauben, das christliche Hochfest stehe schon wieder vor der Tür. Mitten im südafrikanischen Winter heißt es im englischen Teamcamp nach dem ersten WM-Spiel nämlich wieder einmal “Alle Jahre wieder”.
Im angesprochenen Weihnachtslied kommt alle Jahre wieder etwas Schönes, nämlich das Weihnachtsfest, im Falle der englischen Nationalmannschaft handelt es sich um das jährliche Tormann – Desaster.
Was die Ballzauberer für Brasilien oder der unbändige Willen für die Deutschen ist für England die eklatante Tormannschwäche – Tradition. Seit über 30 Jahren schafft es das Mutterland des Fussballs nicht, einen Tormann von Weltklasseformat herauszubringen. Ballkünstler wie Gary Lineker, Alan Shearer, David Beckham oder Steven Gerrard verleihen den “Three Lions” seit jeher Fussball, der zum allerfeinsten gehört, was dieser Planet zu bieten hat. Wenn nicht die Position des Torhüters wäre.
Robert Green muss sich am Tag nach dem Unentschieden gegen die USA den Vorwurf gefallen lassen, den Sieg der Briten verschenkt zu haben. Denn: Ohne diesen Fehler hätten die US-Amerikaner wohl in drei Stunden kein Tor gegen das Team von Capello geschossen.
Wie auch immer, die Engländer sind sich ihrer Problemzone durchaus bewusst, und können dennoch nichts dagegen tun. Zumindest jetzt nicht mehr. Mit etwas Weitblick hätte die F.A. den bei Arsenal London engagierten Spanier Manuel Almunia einbürgern und somit für die WM zum Einsatz in der englischen Elf berechtigen können.
Das passierte allerdings nicht, der Rest ist bekannt. Neben Robert Green stehen Joe Hart von Birmingham City und der 38-jährige David James von Portsmouth im Kader. Capello wird auf der Torhüterposition nichts verändern, denn ein Torhüter muss das absolute und uneingeschränkte Vertrauen eines Trainers spüren, wenn er seine volle Leistung zeigen soll.
Das hat keiner der drei Kandidaten für das englische Tor je erfahren. Durch Patzer und mäßige Leistungen drängte sich keiner der drei für einen Stammplatz auf. Trotzdem muss sich ein Trainer irgendwann für (s)eine Nummer 1 entscheiden und dem Spieler in der Folge sein absolutes Vertrauen aussprechen. Dass Capello Green jetzt den Rücken stärkt, ist daher reichlich spät und praktisch nur noch als Schadensbegrenzung zu werten.
Nach dem Ignorieren von Almunia also der zweite schwere Fehler Capellos in der Tormannfrage. Der sonst so schlaue Trainerfuchs versäumte bei seinen Goalies die Überführ, was ihm während dieser WM noch teuer zu stehen kommen könnte.
Typisch für die Startruppe wäre natürlich ein Ausscheiden im Elfmeterschießen. Der Mythos, den englische Gazetten schon seit Jahren heraufbeschwören und nachdem über England ein Elfmeterfluch liegen soll, könnte auch eine ganz einfache Erklärung haben: das Tormannproblem seit Jahrzehnten.
Ein Ausscheiden Englands im Elfmeterschießen wäre also nicht sehr überraschend, genauso wenig wie weitere Patzer von Robert Green. Denn wie heißt es so schön: Alle Jahre wieder…