Kennen Sie den Film “Helden aus der zweiten Reihe?” Falls nicht: In den Film geht es um ein American Football – Team in den USA, dessen Spieler mitten in der entscheidenden Phase der Saison beginnen zu streiken. Aus der Not wird ein Team aus gescheiterten Sportlerexistenzen und Reservisten geboren, das in der Folge mit drei Siegen aus vier Spielen sensationell den Sprung in die Playoffs schafft.
Was bei den sportbegeisterten Film-Fans in Hollywood fantastisch ankam, könnte sich in etwas abgewandelter Version auch in diesem Sommer in Südafrika wiederholen. Es wird definitiv eine WM der Reservisten. Die absoluten Superstars dieser WM wird man vermutlich an einer Hand abzählen können. Positiv daran ist, dass der Verletzungsteufel seinen Groll gleichmäßig verteilte.
Ob Robben, Ballack, Drogba, Ferdinand oder Nani – beinahe jedem Spitzenteam fehlt zumindest ein Leistungsträger. Außerdem zogen es manche Teamchefs vor, fairerweise bereits im Vorhinein auf wichtige Spieler zu verzichten. Unter anderem traf der Zorn der Teamchefs die Herren Totti, Cambiasso, Nasri oder Frings.
“Jetzt freut man sich noch weniger auf die WM, weil so viele tolle Spieler fehlen werden”, meinen einige meiner Kollegen. Dem muss aber nicht so sein. Stars werden bei Großereignissen geboren, und umso mehr etablierte Akteure fehlen, desto größer die Chance, dass ein “Nobody” die Gunst der Stunde nutzen kann. Wer kannte im Jahr1998 einen Michael Owen? Wer wusste 2002, wer El-Hadji Diouf ist? Diese Spieler drückten bei den jeweiligen WM-Endrunden dem Turnier ihren Stempel auf und schafften anschließend den Sprung zu internationalen Top-Vereinen.
In den Folgejahren wurden sie und viele andere zu den “unverzichtbaren” Stars, auf die man sich bei einem großen Turnier so sehr freut.
Wem man diesen Sprung heuer zutraut? Die Liste der Kandidaten ist lange wie nie zuvor. Valbuena, Di Maria, Özil – beinahe jeder Titelaspirant hat einen Rohdiamanten in seinen Reihen. Doch kann ein stark aufspielender Özil einen Michael Ballack wirklich vergessen machen?
Die Antwort: Ja und Nein. Leider (oder Gott sei Dank?) werden einzelne Spieler zwar für ihre eigene Leistung bewertet, damit sie es aber schaffen, den Fans als der überragende Spieler während des Turniers in Erinnerung zu bleiben, wird ein Team benötigt, das von Sieg zu Sieg eilt. So gesehen wird es nur wenige geben, die später in den Sportgazetten dieser Welt als die “Entdeckungen des Turniers” hochgejubelt werden.
Helden aus der zweiten Reihe wird eben nur dann gehuldigt, wenn sie als ganzes Team überzeugen. Davon können auch Weltklasse – Spieler aus Fussball – Enticklungsländern ein Lied singen. Frag nach bei Ryan Giggs oder George Weah, denen es trotz ihres außergewöhnlichen Könnens nie vergönnt war, ein WM – Spiel zu bestreiten.
Da stellt sich unweigerlich die Frage, ob man nicht lieber in der zweiten Reihe stehend dabei ist, als überhaupt nur zuzusehen. Auch wenn man nicht zu den Helden gehört.
Andriy Schevchenko hat bei der WM 2006 5 Spiele gespielt und dabei 2 Tore geschossen.
völlig richtig. fehler meinerseits, wurde bereits durch einen anderen ganz großen WM – Abkömmling ersetzt ; )