Unzählige Österreicher befinden sich in diesen Tagen im Sammelfieber. Wie vor jedem großen Fussballturnier hat Panini auch heuer wieder dafür gesorgt, dass Menschen von sechs bis 99 Jahren alles daran setzen, ihr Stickeralbum vollzubekommen. Kaufen, tauschen, borgen, schenken – es gibt viele Wege zur absoluten Panini – Vollkommenheit.
Vielleicht sammelt ja auch der eine oder andere Manager der österreichischen Klubs die Sticker von Rooney, Messi & Co. Auch wenn Alfred Hörtnagl oder Didi Beiersdorfer nicht zu den treuen Panini – Kunden zählen, haben sie eine ähnliche Zielsetzung wie die Sticker – Sammler. Statt einem vollen Heft ist ein schlagkräftiger Kader das Ziel.
Die ersten “Sticker” wurden bereits getauscht, konkret tauschte Beiersdorfer Zarate gegen Alex Zickler ein, den Heli Kraft beim LASK neu begrüßen darf. Hörtnagl ersetzte Boskovic durch Christoph Saurer. Bei den kleinen Bildern wird für gewöhnlich getauscht, beide Seiten sind glücklich über den Neuzuwachs und hoffen auf weitere Tauschgeschäfte.
Bei echten Spielern stellt sich die Situation allerdings etwas anders dar. Im Fall von Christoph Saurer ist die Vergangenheit das Problem. Da wären die riesigen Fußstapfen von Branko Boskovic, der nach seinem Abgang bei Rapid eine große Lücke hinterließ. Die wenigsten unter den Rapidfans trauen dem 24-jährigen vom LASK zu, diese Lücke zu schließen. Doch nicht nur sportlich wird Saurer vom grün-weissen Anhang kritisch beäugt.
Fünf Jahre in der Frank Stronach – Akademie, Nachwuchsspieler bei der Wiener Austria und schließlich 56 Partien für die Austria Amateure machen dem Wiener jetzt das Leben schwer. Dass Saurer auch vier Mal in der Bundesliga für die Violetten spielen durfte, ist für die eingefleischten Rapidler nur die Spitze des Eisbergs.
Gerüchten zufolge soll Saurer außerdem als Jugendlicher einige Male mit dem harten Kern des Austria – Anhangs zu Auswärtspartien gereist und nicht nur die Austria besungen, sondern auch den Erzrivalen aus Hütteldorf beschimpft haben.
Kurz nach seinem Wechsel zu Rapid sprach Saurer davon, dass “Rapid die Nummer 1 in Österreich” sei und er sich auf die besten Fans dieses Landes bereits jetzt freue. Mit solchen Sprüchen kommt man als neuer Spieler normalerweise extrem gut an bei den Ultras und Fan – Hardlinern. Kommt man aber aus der violetten Ecke Wiens, leidet die Glaubwürdigkeit eines Spielers.
Eines scheint sicher zu sein: Ein steiniger Weg steht Saurer in Hütteldorf bevor.
Die Frage, die sich unweigerlich stellt: Sprechen wir hier über ein Überreagieren der für ihren Hang zum Extremismus bekannten Rapid-Fans, oder über ein Fehlverhalten eines Spielers?
Dass Saurer sich sportlich weiter entwickeln möchte, kann man ihm nicht verübeln. Wenn ein Verein wie Rapid anklopft, muss man mit 24 die Chance am Schopf packen. Vielleicht wäre es aber klüger gewesen, zu seiner violetten Vergangenheit zu stehen und die Fans mit einem anderen Spruch zu überzeugen.
Einem Spieler aufgrund seiner Vergangenheit von Anfang an keine Chance zu geben, scheint allerdings auch nicht der Weisheit letzter Schluss zu sein. Einerseits, weil bei einem Scheitern Saurers Rapid viel Geld beim Fenster hinausgeworfen hätte, andererseits dem Verein ein Spieler mit viel Potential “verloren” geht, wenn die Fans ihn von Anfang an boykottieren.
Ganz egal, wessen Verhalten falsch war: Saurers Einstand hätte kaum schlechter ausfallen können. Reale Spieler sind eben doch keine Paninis.
Aus meiner Sicht ist es ein massives Überreagieren einiger Fans. Und da ist das Wort “Überreagieren” noch ein Hilfsausdruck!
Bei so einigen Aussagen dieser Fans frage ich mich wirklich, wie man nur so geblendet denken und mit diesen Scheuklappen durchs (Rapid-)Leben gehen kann! Egal, was Saurer zu seiner violetten Vergangenheit gesagt hätte, er würde trotzdem nie eine Chance bekommen.